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East Side Story


Erscheinungsdatum: 09/2007
Entwickler/Publisher: MDNA Games  
Spielsprache: Englisch

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Boxshots

USK/PEGI: keine Einstufung

 

 

Ein Review von   André   11. Januar 2008

Routineprüfung. Genauso verlässlich wie der Lohnsteuerjahresausgleich oder die Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt kommt jedes Jahr auch ein neues Carol-Reed-Adventure auf den Markt – und zwar der Grundstimmung des Spieles passend zum Herbst/Winter hin. Und im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Terminen ist ein neuer Teil der Serie um die englische Detektivin im schwedischen Norköpping ein Ereignis, auf das ich schon das Jahr über erwartungsvoll hinblicke. Zumal dieses Jahr ja leider kein Märchenadventure erschienen ist, welches sich sonst mit dem Carol Reed-Adventure die Aufgabe teilt, mich mit ein wenig Romantik in die passende den Herbst/Winterstimmung zu versetzten.

 

Handlung

Die Ausgangssituation des aktuellen Teils ist schnell erklärt: Carols Freund Jonas macht mit seinem Bekannten Anders Borg Urlaub in Paris. Die beiden haben eigentlich eine gute Zeit. Doch leider trübt ein Ereignis das Vergnügen. Während des Urlaubs wurde ein Landstreicher, der sich in Anders Wohnung eingenistet hat, ermordet. Das erfährt Carol aus einem Brief, den Jonas an Carol vom Urlaubsort aus geschickt hat. Weiter bittet er Carol in dem Brief, sich der Sache anzunehmen und mal in Anders Wohnung ein wenig umzuschauen. Und schon hat unsere Detektivin einen neuen Fall.

Der Titel des Spiels „East Side Story" bezieht sich übrigens auf den Osten Norköppings, auf den bei dem Spiel näher eingegangen wird. Hier war eine Fabrik für Reißverschlüsse, welche im Spiel eine Rolle spielt, lange Zeit der Hauptarbeitgeber. Vom Untergang der Fabrik hat sich der Stadtteil bis heute nicht erholt.

 

Grafik

Ich finde, auf kaum ein Adventure-Serie passt die Bezeichnung „minimalistisch" besser als auf die Reihe mit der englischen Detektivin. Wer die Serie kennt, weiß, was das bedeutet und was einen erwartet, denn vom Design gibt es „lediglich" wieder eine Menge an Standbildern im unverkennbaren Stil, der die Serie seit dem ersten Teil prägt und diese einzigartig und unverwechselbar macht. Die Bilder wurden kunstvoll retouchiert. In erster Linie wurden hierzu die Farben übersteigert, so dass das Spiel eine unwirkliche, „traumhafte" Atmosphäre bekommt. Nichts ist animiert und auch Gespräche mit Personen werden nur in einer Folge von Bildern dargestellt.

Neben der Art der Bearbeitung sind es aber natürlich auch wieder die Motive selbst, welche die typische Carol-Reed-Atmosphäre schaffen. Gezeigt werden sorgsam fotografierte Impressionen der schwedische Ortschaft Norköpping. Man sieht verträumte Gärten und Lauben, kleine Häuschen, aber auch graue Hochhäuser und deren karge Hausflure aus den 70ern, deren ganz eigener Charme ins rechte Licht gerückt und unterstrichen wird. Genau wie eine abgewrackte Freilichtbühne, welche durch die Graffitis nicht unbedingt schöner wird und nicht zuletzt das stillgelegte Fabrikgelände mit all seinem Müll und Schimmel und Sprühereien der Graffiti-„Künstler". Mikael Nyqvist, der Macher der Serie versteht es, die Ästhetik des Verfalls in Bildern festzuhalten.

Man bekommt wieder einen intimen Einblick in die Wohnungen mit ihren teilweise wundervoll gestylten Einrichtungen, wie z.B. Carols eigene Wohnhöhle, die in jedem Teil etwas verändert wird. Und auch bei einigen verlassenen Orten mit den noch vorhandenen Alltagsgegenständen wissen die beiden Macher, das Besondere in ihren Fotos herauszuarbeiten. Dabei ist es wie immer einzigartig, wie nahe die Wohnungen dem Spieler gebracht werden. Sie wirken fast noch bewohnt und andererseits durch die Menschenleere und die grafische Nachbearbeitung geheimnisvoll und fremd. Jeder Raum kann genau erforscht werden und man kommt sich so vor, als würde man in einen sehr privaten Bereich vordringen.

So hat sie mich auch dieses Mal, nachdem ich mich durch die ersten Bilder geklickt hatte, wieder sofort gefangen genommen, - diese spezifische Stimmung, die typisch ist für die Carol-Reed-Adventures.

 

Handhabung

Die Steuerung durch das Spiel funktioniert wie gewohnt. Per linker Maustaste steuert man Carol durch das Spiel. Das Inventar öffnet sich, wen man den Cursor zum oberen Bildschirmrand bewegt. Die dort befindlichen Gegenstände kann man gelegentlich auch schon einmal miteinander benutzten.

Die rechte Taste dient im aktuellen Teil einerseits, um im Inventar einen Gegenstand zu betrachten und um einen aus dem Inventar genommenen Gegenstand wieder zurückzulegen. Neu und nicht unbedingt vorteilhaft ist, dass man, wenn man die rechte Taste an allen anderen Stellen außerhalb der beiden beschriebenen Möglichkeiten benutzt, man in das Hauptmenü gelangt. Und das ist mir eigentlich ständig passiert, da man sich sehr leicht vertun kann, wenn man etwa einen Gegenstand weglegen will. Und so habe ich mich ständig unfreiwillig aus dem Spiel rausgeworfen. Das sollte man beim nächsten Spiel ändern.

Auch der neueste Teil ist, was die Ausstattung anbelangt, genauso spartanisch wie seine drei Vorgänger umgesetzt worden. Es gibt halt fast nix zu regeln, außer Laden, Speichern und Beenden und im Endeffekt ist mehr bei dem Spiel auch nicht nötig. Mit dem Mausrad kann man im aktuellen Teil die Musik justieren. Am Anfang des Spiels erscheinen noch einmal einige Hinweise zur Bedienung.

 

Musik

Minimalistisches Spiel – minimalistische Musik und fertig ist die Lauge. Die Sounds bestehen aus einigen Tracks vom Keyboard bzw. Klavier teilweise unterstützt von Streichern. Die Musik ist nicht nur sparsam akzentuiert, sondern auch sehr einfach und ruhig gehalten (wobei Minimalelectro ja ganz schön vertrackt und unruhig sein kann). Hier ist sie aber oft sehr sphärisch. Die musikalischen Grundthemen, welche natürlich auch immer wieder das melancholische Ambiente unterstützen, sind natürlich auch vertreten und so unentbehrlich für das Spiel wie die Titelmelodie bei Nancy Drew, bevor man diese in den letzten Teilen sträflicherweise entsorgt hat.

 

Rätsel

Hier gibt es die meisten Veränderungen zu verzeichnen, denn ich habe das Spiel schwieriger als die drei Vorgänger empfunden. Das Gebiet in East Side Story ist weitläufiger und so ist das Spiel einerseits wieder entspannte Exploration durch mehr Locations denn je, andererseits hat man dadurch mehr Handlungsfreiheit und es gibt mehr Aufgaben, die während der Entdeckungstour bestens ins Spielgeschehen eingebunden sind. Wobei die Rätsel in East Side Story auch so angelegt sind, dass man eigenständiger kombinieren muss. So ist neben den üblichen Gegenständen, die man finden und an gegebener Stelle benutzen muss, viel Suchen nach versteckten Orten gefragt, die wir z.B. mittels einiger schriftlicher Hinweise finden sollen. Neu ist auch, dass wir dazu mit einer Taschenlampe einige dunkle Orte erkunden müssen. Teilweise ist es aber etwas zu viel des Guten bzw. zu wenig der Hinweise. Etwa, wenn wir einige Räume, die sehr unübersichtlich sind, da wir sie nur im winzigen Kegel der Taschenlampe betrachten können, immer wieder nach kleinen Gegenständen absuchen müssen. Manchmal hätte ich mir etwas konkretere Vorgaben gewünscht, so dass man einen Ort nicht immer wieder erneut durchforsten muss.

Daneben gibt es einige Hebel-, Knopf und Schalterdrückrätsel oder ein wenig Recherche im Computerarchiv der hiesigen Bibliothek und ein paar Schriftstücke mit Codes oder Zeichen müssen richtig gedeutet werden.

Ein Zeiträtsel bzw. eine Situation, in der man schnell reagieren muss, ist dieses Mal auch mit dabei, wobei diese aber nicht wirklich schwierig und schnell bewältigt ist. Meiner Meinung reicht diese Menge auch völlig aus, da ich nicht unbedingt Freund solcher Situationen bin. Aber in solchen kleinen Häppchen als Klimax zum Schluss lasse ich mir ein-zwei kleine Situatiönchen in der Art gerne gefallen, zumal wenn sie wie diese nicht frustrieren.

 

Text und Sprachausgabe

Wenn sie bislang unsicher waren, ob ein englischsprachiges Spiel für sie in Frage käme, da sie über nicht unbedingt gute Englischkenntnisse verfügen, lassen sie mich an der Stelle die Gelegenheit nutzen, ein wenig dafür zu werben, es doch einmal mit einem Spiel aus der Carol-Reed-Serie zu probieren. Ich bin auch nicht gerade das, was man einen Englisch-Crack nennen kann, und komme mit diesem Spiel bestens zurecht. Denn kaum ein Adventure eignet sich hierzu besser als ein Teil aus dieser Reihe. Zum einen ist alles in mehr oder weniger einfach verständlichem Englisch gehalten, da es sich um eine Serie handelt, deren Spielsprache Englisch nicht die Muttersprache der Autoren ist. Zum anderen ist alles untertitelt. Nicht zuletzt gibt es auch verhältnismäßig wenige Dialoge und die schriftliche Notizen kann man in Ruhe übersetzten.

Das Spiel ist wie gehabt mit angenehmen Stimmen eingesprochen worden, deren oftmals schwedischem Akzent ich sehr gerne zuhöre.

 

Fazit

Im Prinzip gibt es nicht allzu viele Neuerungen bei der Handlung oder dem Design - so wie etwa bei der Nancy Drew-Reihe immer wieder geschehen. Schließlich sind wir inzwischen schon bei Folge vier und es ist bislang nicht viel mehr passiert, als dass Carol Jonas kennen gelernt hat. Aber im beschaulichen Norrköpping steht die Zeit halt still und auch für die Dinge des Lebens nimmt man sich auch mehr Zeit. Und das ist auch gut so, denn zu viel Veränderung würde dieser tollen Serie auch nicht unbedingt gut tun und ich wüsste auch nicht, was es groß zu verbessern gäbe.

Denn East Side Story ist wie bisher jeder Teil der Serie ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht zwingend neuester grafischer Finessen und aufwändiger Filmsequenzen bedarf, um ein stimmungsvolles Adventure zu erstellen. Die Macher schaffen eine tolle Stimmung mit einfachen, wenn auch wie immer kunst- und liebevoll bearbeiteten Standbildern, ruhiger Musik und einer beschaulich erzählten Detektivgeschichte. So wird das Spiel zu einer Zeitreise und versetzt den Spieler in eine eigentlich reale Welt, die aber durch die kunstvolle Bearbeitung unwirklich, verträumt und zeitlos erscheint.

Etwas hat sich aber doch getan. Denn in East Side Story gibt es noch viel mehr Orte, mehr Bilder und weitläufigere Locations als beim Vorgänger und nicht nur dadurch ergibt sich sowohl eine deutlich längere Spielzeit als auch ein höherer Schwierigkeitsgrad. Zumindest habe ich den aktuellen Teil um einiges schwieriger empfunden, nicht zuletzt da die strenge Führung beim Rätseldesign etwas gelockert wurde und man freier agieren kann. Auch wenn die Hinweise jetzt gelegentlich etwas zu knapp sind, so das sich dadurch zuviel Sucherei ergibt, steht das der bislang nicht allzu schwierigen Detektivreihe mit der melancholischen Grundstimmung äußerst gut zu Gesicht. Und so gibt’s dieses mal eine solide

 

Gesamtwertung von 78%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows 98/2000/XP
  • Pentium 1 GHz
  • 128 MB RAM
  • 16 MB Grafikkarte 
  • Auf lösung 1024 x 768
  • 800 MB freier Festplattenspeicher

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 2400+
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

Leonard Kohler hat mehrere Interessen: Oldschool-Hardcore an der Wand und einen Hardcore-Club für Carol
Leonard Kohler hat mehrere Interessen: Oldschool-Hardcore an der Wand und einen Hardcore-Club für Carol

 

Leonard wird übrigens von Mikael Nyqvist, dem Macher der Serie gespielt!
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Noch ein Grund, das Spiel zu kaufen!
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Toppfit im Schuh dank Methadon ist dieser junge Mann hier
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Psst, leise gefälligst, das ist eine Bücherei!
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Der wilde Besitzer der Skateboardbahn
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Die Karte ist voll, der Hersteller ist glücklich! So viele Orte gab es in einem Carol-Reed-Mystery noch nie
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Fiskeby
Fiskeby

 

Carol lässt es sich im Sommer im Kleingarten gut gehen
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Bei Ihren Erkundungszügen schlägt sich Carol wieder durch die Büsche
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Graffitis sind hässlich
Graffitis sind hässlich

 

Das Belvedere ist der höchste Punkt der Stadt
Das Belvedere ist der höchste Punkt der Stadt

 

Von hier aus haben wir mit dem Fernglas einen Blick auf die ganze Stadt
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In der verlassenen Gusum Factory
In der verlassenen Gusum Factory

 

Der waghalsige Ausflug auf das Dach der Fabrik sorgt für ordentlich Spannung
Der waghalsige Ausflug auf das Dach der Fabrik sorgt für ordentlich Spannung

 


 


 

 

 

 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 11. Januar 2008

 

 

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