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Hitchcock - The Final Cut

Ein Review von Rheingold, 20. Januar 2002

Genre: Action-Adventure/ Krimi/ Thriller
Produktion: ARXEL TRIBE
Publisher: WANADOO
im Handel: 14. November 2001
Preis: circa DM 80/Euro 40
Version PC-CD: 2 CD
Version DVD oder Konsole: noch nicht bekannt!
EAN: 0801043107325
Homepage: http://hitchcock.arxeltribe.com/

 

Nicht ein Messerstich trifft die schöne Janet Leigh unter der Dusche, jeder Hieb von „Mutter" geht sichtbar daneben - soweit 1960 der Zuschauer von PSYCHO überhaupt hinsehen konnte - und doch hat es der Meisterregiseur mit Filmschnitt, Perspektive, Musik und Beleuchtung geschafft seine „Objekte" - wie er die Zuschauer gerne nannte - psychologisch zu fangen.

Und auch HITCHCOCK - THE FINAL CUT hätte wie ein langes Fleischmesser, daß im fahlen Licht einer Badezimmerleuchte blitzt und doch nicht auf nasse, nackte Haut trifft, schocken können, doch leider kommt das Spiel nicht über die Beta-Version hinaus.

Einige Punkte sind allerdings überarbeitet worden - zumindest in der deutschen Endversion.

Die Story

Das ist doch typisch ... da kommt eine schöne Frau in das Büro des jungen Privatdetektivs Josef Shamley, doch sie spricht kein Wort, lässt sich erst auch nicht abwimmeln ... egal, wir sind jetzt erstmal auf den Weg zum Angeln, an die See, brauchen Urlaub und wollen uns erholen von unserer Arbeit als Detektiv für okkulte Angelegenheiten. Doch schon kommt es wieder einmal völlig anders als man denkt ...

Ein knallrotes Cabriolet kommt auf uns zu geschossen und schon haben wir wieder Visionen ... meine Eltern ... da knallt es auch schon ... na wer könnte es anders sein als sie ... mann, sind wir sauer, unser Auto ist Schrott und von ihr kommt kein Wort ... sie ist stumm und wir können ihr kaum böse sein, sind schon verknallt in diese blonde Schönheit ... sie vermittelt uns das ihr Onkel, Mr. Robert O. Marvin-Jordan, einen Film produzieren wollte, sich im Norden ein Gelände hat bauen lassen und bei den Dreharbeiten zu diesem Film sei die ganze Film-Crew verschwunden ... dreimal darf man raten, wer jetzt diese Crew wieder aufzuspüren hat - verdammte Herzensangelegenheiten.

Der Spieler ist natürlich Josef Shamley, der Privatdetektiv, der undurchsichtige Auftraggeber ist ein mysteriöser Kerl, der lieber per Video und Notizen mit uns in Kontakt tritt als daß er sich blicken lässt und ganz offensichtlich ist er ein Verehrer Hitchcocks ...

In einer heruntergekommenen Villa, die scheinbar zum Kulissenpark des Studios gehört, können wir endlich mit der Schönheit sprechen, vielmehr sie verständigt sich über einen Beo der uns zuträllert ... was ist denn mit dem Federtier? ... hat er einen „Sitzen"? ... Worauf haben wir uns da nur eingelassen? ...

Pro

Welcher Publisher außer ARXEL TRIBE hätte sich von den UNIVERSAL-Studios Lizenzen für ein Spiel geben lassen?

Die Idee des Spiels und die diversen Filmausschnitte, die unser Held als Flashbacks erfährt sind klasse, selbst mir als langjähriger Hitchcock-Fan ist es noch nicht gelungen alle Original-Film-Einblendungen zu erkennen - das krieg ich aber noch hin.

Die Atmosphäre allgemein ist gut, düster und verhängnisvoll. Die bleischweren Wolken, die ein heftiges Gewitter ankündigen wollen, unterstreichen die Stimmung, auch wenn dieses Gewitter leider nicht näher zu kommen scheint. Die Synchronisation ist mittelprächtig gelungen - hier sind es zwar wieder die bekannten CRYO-, WANADOO-, ARXEL TRIBE-Sprecher, die im laufe der Jahre etwas an ihrer Rhetorik gearbeitet haben, aber wir haben schon besseres gehört.

Die Storyline ist wie ein Hitchcock-Klassiker, sie beginnt langsam, baut sich auf zur Spannung und nach den ersten beiden Kapiteln kommt man nicht mehr los. Natürlich gibt es in einem HITCHCOCK auch Leichen und die lassen sich ebenso makaber finden wie sie auch zu Tode gekommen zu sein scheinen.

Da ich gerade ein neues Adventure teste, es aber in der technischen Anforderung nicht richtig läuft und es dort nicht das geringste einzustellen gibt, möchte ich hier HITCHCOCK positiv bemerken ... Sowohl ein etwas älterer Rechner als auch ein 3D-"Geschwindibus" hat an HITCHCOCK - THE FINAL CUT seine Freude. Es gibt diverse Einstellmöglichkeiten, nicht nur für die unterschiedlichen Rechnerleistungen, sondern auch für Video- und andere Darstellungsoptionen oder gar Lautstärke und Untertitel.

 Contra

Die Grafik allgemein ist zwar nicht schlecht, aber mensch ist aus den ARXEL TRIBE Studios besseres gewohnt - nicht nur die 3D-Grafik, die nach meinem Geschmack immer noch nicht die Qualität der Render-Grafiken hat, auch diverse Fehldarstellungen und richtige Grafikfehler haben mich massiv gestört.

Die Navigation gegenüber der von mir, vor kurzem getesteten Betaverision, hat sich leider nicht verbessert und die Darstellung der Bewegung der Spielfigur ist leider noch sehr unreif - ewig steht der „Kerl" irgendwo in der Dekoration, zum Beispiel mit einem halben Bein in einer Wand und dann lässt sich unser Detektiv bei seiner Arbeit nur sehr „hakelig" bewegen.

Der Soundtrack: veraltete Drum´nBase-Loops, die dazu noch schlecht zusammengeschnitten sind, lassen die wunderbare Musik der Klassiker vermissen - zugegeben, es gibt Passagen im Spiel, z.B. im Café, wo etwas Hitchcock-Film-Musik á la Bernard Herrmann aufkommt, aber insgesamt ist der Soundtrack langweilig.

Das Sound-Design hätte auch abwechslungsreicher sein können. In der Endversion leider immer noch unvollständig, fehlen doch manchmal die Schritte, oder andere Geräusche mit denen das Spiel noch lebhafter gewesen wäre.

Die Navigation durch das Menü ist nicht gut gelöst, so muß man mit der rechten Maus-Taste einen Pocket-PC öffnen um diverse Aktionen vorzunehmen, damit verbunden auch, die Dialogführung und die erweist sich auch als nicht gerade vorteilhaft.

HITCHCOCK - THE FINAL CUT, Genre: Action-Adventure: Action muß man hier allerdings suchen und für Adventure-Fans sei gesagt, ohne Tastatur geht hier gar nichts und für Tastaturfreunde: mehr als die Pfeiltasten sind selten nötig. Zum Abenteuer wird es allerdings wenn wir unseren Helden in schwindeleregenden Höhen über einfache Planken leiten müssen, dabei wächst das Spiel zu einem Glückspiel hinaus, denn die Darstellung der Grafik ist so unkorrekt, das Spieler mal einen halben Meter neben dem Brett stehen kann ohne in die Tiefe zu stürzen und der nächste Schritt, direkt auf der Bohle, bringt ihn wieder der „guten Mutter Erde" näher.

Die Hintergründe/ Kulissen sind gut aber die Figuren, die mit im Spiel wirken, haben nur die Anmutung von Marionetten.

Für die Fehler im Spiel hat ARXEL TRIBE bis heute leider noch keine Patches angeboten.

Und was die Bibliothek sämtlicher Filmausschnitte angeht, die uns noch in den Vorankündigungen versprochen worden sind (z.B. ComputerBild-Spiele 9/2001, Seite 5, unten) vermisse ich den Teil der Software bis heute ... wer diesen Teil findet meldet sich bitte!

Zur Geduldsprobe wird auch das Laden des installierten Spiels ... wenn ich die erste der beiden CDs in das Laufwerk schiebe - dies ist erforderlich, da sich das Spiel von der zweiten CD aus nicht starten lässt - sucht das Programm nach dem Spiel auf meinem Rechner und der Install-Shield bietet mir eine Deinstallation ... also abbrechen und über den Link auf dem Desktop, oder unter Menü, das Spiel starten - Tipp: wenn der Scan beginnt, sofort auf ABBRECHEN klicken!

 Fazit

Die Individualisten in den Spiele-Schmieden haben offensichtlich immer weniger zu melden, wenn ein Release (Veröffentlichungs-Termin) feststeht, hat das Produkt auf den Markt zu kommen, egal wie vollendet es ist oder nicht. Das dabei treue Fans und Neukunden verärgert werden ist anscheinend ohne Bedeutung ... Schade ARXEL TRIBE, das Spiel hätte sich in besserer Qualität, mit mehr Power, in den Reigen von DER RING, FAUST oder PILGRIM & DIE LEGENDE reihen können. HITCHCOCK - THE FINAL CUT hätte das Zeug zum Kult-Spiel wenn es an manchen Stellen nicht so hakelig laufen oder gar abstürzen würde.

Leider wird den Käufern eine Beta-Version, die obendrein nur einem halben Spiel entspricht, für volle DM 79 verkauft.

Für ARXEL-TRIBE-Fans, Cineasten und vor allem für HITCHCOCK-Liebhaber ist das Spiel dennoch ein Muß, denn die Flashbacks oder auch die Kulissen, sowie die Anspielungen auf die Filme des Meisters sind gut und wer seine Erwartungen nicht zu hoch setzt kann Spaß an dem Spiel finden.

Das Spiel könnte Gefallen

wenn Ihr FAUST oder BLACKSTONE CHRONICALS gemocht habt.

Gesamturteil: 72%

Und nun viel Spaß!

Rheingold

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

Platform
PC CD-ROM
Minimale Hardware-Anforderungen
Pentium 300 Mhz
32 MB RAM
CD-ROM 16x

3D-Karte 8 MB
DirectX 7.0

SVGA Farbbildschirm 256 Farben
Windows kompatible Soundkarte
Maus
Software Anforderungen
Win95/98/2000

 

Gespielt auf:

  • Windows98
  • AMD 800
  • 128 MB RAM
  • 44 x CD-ROM
  • ELSA Erazor III

 

 

 

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Copyright © Rheingold für Adventure-Archiv, 20. Janaur 2002

 

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