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Games Convention Special

 

Dead Mountaineer's Hotel
(a.k.a. Hotel ‘At a Lost Climber’s’)

Release: 4. Quartal 2006

Entwickler: Electronic Paradise

Publisher: Akella

 

 

 

Ein Preview von  MaryScots   16. September 2006

 

„Deutschland ist der heißeste Markt der Welt für Adventures" - sagten zumindest unsere Kollegen von Adventure Gamers vor einiger Zeit mit leicht neidischem Unterton. ;-) Und sie haben Recht! Wir haben nicht nur einige sehr talentierte Entwickler, sondern auch mittlerweile eine ganze Reihe Publisher, die bereit sind, das (Noch-)Wagnis einzugehen, Adventures herauszubringen und den Kampf mit den massentauglichen Genres aufzunehmen. All dies, um uns das zu geben, was wir uns wünschen: Adventures, Adventures, Adventures. :-)

Trotzdem fällt auf, dass in einem anderen europäischen Land eine ganze Reihe an hoch interessanten Genrevertretern auf den Markt kommt, die es leider – und ich frage mich zunehmend „Warum bloß?" – fast nie aus ihrem Geburtsland heraus schaffen, nämlich Russland. Eines dieser Adventures, das einen äußerst vielversprechenden Eindruck macht, habe ich mir auf der Games Convention beim russischen Publisher Akella mal genauer angesehen: Dead Mountaineer’s Hotel von Electronic Paradise.

Das Geheimnis und die Essenz eines guten Adventures ist und bleibt in erster Linie die Geschichte und davon haben die Russen mehr als genug auf Lager. Auch für Dead Mountaineer’s Hotel stand ein Roman Pate, "Hotel ‘Zum verunglückten Bergsteiger’" von den Brüdern Arkadi und Boris Strugatzki. Das Point & Click-Spiel bleibt nahe an der Vorlage, aber mit einem geschickten Gameplay sollen auch die Kenner überrascht werden.

Im Spiel übernehmen wir die Rolle von Polizeiinspektor Glebski, der eigentlich in dem entlegenen, verschneiten Berghotel nur ein paar ruhige Urlaubstage verbringen will. Aber es kommt natürlich anders. Außer dem Inspektor treffen wir im Verlauf dieses 3rd-Person-Krimis noch 14 weitere Charaktere, inklusive der anderen Gäste, dem Personal und auch der pfiffige Bernhardinerrüde Lel, der ständig und überall sein Fell verteilt, darf nicht fehlen. Jeder der Charaktere hat seine speziellen Macken und Geheimnisse und nichts ist so, wie es zunächst den Anschein hat. Doch das Merwürdigste ist, dass anscheinend ein vor längerer Zeit verunglückter Bergsteiger im Hotel spukt. Der Hotelbesitzer bittet Glebski darum, sich dessen Zimmer anzusehen und was dieser dort entdeckt ist schon irgendwie unheimlich: im Aschenbecher qualmt eine Zigarette vor sich hin, auf einem Tisch liegt eine aktuelle Zeitung und die Stiefel vor dem Bett scheint erst kürzlich jemand getragen zu haben – all das, obwohl das Zimmer stets abgeschlossen war!

Es machte mir einen Heidenspaß, alles zu untersuchen, wobei die sehr schönen, detaillierten 2D-Hintergründe (ca. 120 davon soll es geben), die frischen Dialoge und die gut animierten 3D-Charaktere positiv auffielen. Wer jetzt den Eindruck gewinnt, es handle sich um die russische Version eines Agatha Christie Adventures hat teilweise schon Recht, aber jetzt kommt erst der Kick. Alles läuft in Echtzeit ab. Das bedeutet, dass wir nicht nur viele typische Adventure-Rätsel zu lösen haben, gewürzt mit ein paar Minispielchen (die fast alle etwas mit Winter zu tun haben, wie Irina von Akella witzelte), denn es kommt auch darauf an, was wir wann tun, wie wir mit den Leuten reden und uns ihnen gegenüber verhalten.

Die Charaktere bleiben nämlich nicht wie die Opferlämmer an ihren Plätzen, um auf uns zu warten, sondern sie sind mal hier und mal dort – ein Fest für Fans nichtlinearer Storylines. Sollte sich jemand in dem Zusammenhang an The Last Express erinnert fühlen, liegt er richtig. :-) Was ich von den Rätseln sehen konnte, sah sehr interaktiv aus. Es genügt nicht immer, einen Gegenstand auf ein Objekt anzuwenden, um dann das Resultat in einer Filmszene ablaufen zu sehen; man muss schon ein wenig mehr Logik einsetzen. Übrigens ist sogar für den Wiederspielwert gesorgt (was auch dafür entschädigt, dass sich voraussichtliche 15 Stunden Spielzeit ein wenig kurz anhören mögen), denn Dead Mountaineer’s Hotel wird drei mögliche Endungen haben. Die Weichen dafür werden gestellt, nachdem die erste Leiche gefunden wurde. Eines der Enden wird das des Romans darstellen, mehr wird natürlich nicht verraten.

Jetzt können wir hier im Adventure-Paradies Deutschland nur noch hoffen, dass Dead Mountaineer’s Hotel auch den Weg zu uns findet. Akella arbeitet bereits daran und in dem Fall soll es auch eine feine Lokalisation bekommen. :-)

 

 

Copyright © MaryScots für Adventure-Archiv, 16. September 2006

 

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