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The Colour of Murder - A Carol Reed Adventure


Erscheinungsdatum: 30.10.2008

Entwickler: MDNA Games
Publisher: Merscom


Spielsprache: englisch

Boxshots

USK/PEGI/ESRB: keine Angaben

 

Ein Review von   André   03. Dezember 2008

Hurraahh! Es ist Herbst. Es regnet den ganzen Tag, wenn es nicht gerade neblig ist oder stürmt. Es ist kalt, dunkel und ungemütlich und die Sonne ist hinter einer dichten Wolkendecke verschwunden. Die Häuser erscheinen noch grauer. Die Menschen hierzulande auch und zudem sind sie noch muffeliger und unfreundlicher als sie eh schon sind. Aber kein Grund zu resignieren: Schließlich bedeutet Herbst auch, dass mal wieder ein neuer Teil der Carol-Reed-Serie ins Haus steht.

 

Vertonung

Ja, auch dieses Mal muss ich mein bescheidenes Schulenglisch wieder bemühen. Carol 5 erscheint wieder mal nicht auf Deutsch, obwohl es zunächst anders aussah: Denn die ersten vier Teile sollten ja eigentlich im Nachhinein im Jahre 2008 ins Deutsche übersetzt und auch hierzulande veröffentlicht werden. Der erste Teil zum Beispiel erst vier Jahre nach der Erstveröffentlichung 2004. Himmel, wie die Zeit vergeht. Und selbst die Gestaltung der deutschen Cover standen schon fest. Wie wir wissen, ist das Vorhaben mehr oder weniger gescheitert, da im letzten Moment der deutsche Publisher das Zeitliche segnete Und so dürften die Mannen um Nyquist erst einmal die Nase voll haben von einer Veröffentlichung in Deutschland. Vielleicht unternehmen sie ja irgendwann noch einmal einen Versuch. Es würde mich freuen.

Also erst einmal alles wie gehabt Carol auf Englisch. Fans der Serie wissen es längst - das reicht auch völlig aus, zumindest für Spieler, die, wie ich, nur mit mittelmäßigen Englischkenntnissen ausgestattet sind. Die Stimmen sind wie immer mit viel Charme eingesprochen worden und die Sprecher machen ihre Sache wie gewohnt gut, so dass es eine Freude ist, ihren teilweise sympathischen schwedischen Akzenten zuzuhören. Allzu viel wird ja eh nicht gesprochen, denn die meiste Zeit ist man mit Exploration beschäftigt. Nicht allzu häufig läuft einem da ein Mensch über den Weg.

Musikalisch gibt es gewohnt ruhige Klänge auf die Ohren. Da finde wir neben ein paar neuen wieder die bekannten Themen, die teilweise wieder leicht verändert wurden - meine ich zumindest. Diese bestehen aus minimalistischen, späherischen, meist elektronischen Klängen und laden ein, die Welt von Norrköping in aller Ruhe zu erkunden.

 

Grafik - Carol goes colour

Die Farbe des Mordes. Tja, Rot, genauer Blutrot, würde ich ja wohl sagen. Und mit dem Namen ist direkt eine kleine Neuerung eingezogen. Denn erstmals ist das Cover nicht mehr überwiegend im schlichten dezenten Understatement-Weiß gehalten, sondern farbig. Ob damit auch eine Veränderung bezüglich des Grafikstils angedeutet werden soll, fragt sich da natürlich besorgt der geneigte Spieler?

Kein Grund zur Beunruhigung! Wer die Serie mag, dem wird auch der aktuelle Teil gefallen. Etwa vier Jahre ist es her, seit Carol zum ersten Mal ermittelte und im Großen und Ganzen ist Nyquist seinem Grafikstil treu geblieben. Das zeigt eigentlich nur, wie ausgereift dieser bereits war. Wobei ausgereift im Fall der Carol Reed-Adventures bedeutet, dass derjenige, der noch keinen Teil gespielt hat, nicht erwarten sollte, 3D-Sequenzen in High-End-Qualität präsentiert zu bekommen. Denn nein, mit Nichten und Neffen, genau das Gegenteil ist der Fall. Auch der fünfte Teil ist was die Technik anbelangt wieder mit sparsamsten Mitteln erstellt worden. Und das reicht völlig aus, den Spieler von Spielbeginn an in eine ganz eigene magische Welt zu ziehen.

Nun ja, eigentlich ist sie ja real, die Welt von Norrköping, einer Stadt irgendwo in Schweden (dazu später mehr), denn das ganze Spiel besteht ja im Prinzip „nur" aus Fotografien. „Magisch" wird die Welt, die wieder nur durch eine sehr große Anzahl von Standbildern entsteht, durch die wunderbare Nachbearbeitung bzw. Retusche der Bilder.

Dabei setzt sich die Sorgsamkeit, mit der diese Orte ausgesucht und aufgenommen wurden, in den Details fort. Es ist einzigartig, wie nahe die Wohnungen, Gebäude und allerlei obskure Orte dem Spieler gebracht werden. Sie wirken einerseits bewohnt und andererseits durch die Menschenleere und die grafische Nachbearbeitung geheimnisvoll und fremd. Jeder Raum kann genau erforscht werden und man kommt sich so vor, als würde man in einen sehr privaten Bereich vordringen.

Und dennoch meine ich, dass zumindest gelegentlich eine leichte Veränderungen bezüglich der Art, die Bilder zu bearbeiten zu bemerken ist: einige davon wirken  scheinbar noch unstrukturierter. Dieses wird bewirkt, indem teilweise noch chaotischer anmutende Szenerien fotografiert und retuschiert wurden: Etwa wilde Pinsel und Farbklecksorgien in einer Kammer bei einem Bühnenausstatter. Dass das Ganze natürlich völlig bewusst ausgesucht, die Bilder extra so arrangiert und nachbearbeitet wurden und auch völlig harmonisch sind, erkennt jeder, der Kunst mag. Nyquist geht seinen Weg, die Bilder zu bearbeiten langsam aber konsequent weiter. Eine Richtung die mir sehr gut gefällt und die er meinetwegen gerne noch verstärkt verwenden darf.

 

Rätsel

Und auch bezüglich der Rätsel verfolgt man im Hause MDNA die Richtung weiter, die man schon im letzten Teil eingeschlagen hat. Man löst sich wie schon im Vorgänger etwas mehr von dem stringenten Leitfaden. Es gibt viele Ansätze, man muss wieder einmal viel suchen und selbst erarbeiten in recht verschachtelten und interessanten Orten und Gebäuden, wie das des Bühnenausstatters. Oder der Industriepark, wo es teilweise mithilfe der Leiter rauf und runter geht. Dementsprechend gibt es mehr zu entdecken. Vermutlich wurde deshalb jetzt auch erstmals eine Rätselhilfe in Form eines Tagebuchs eingeführt, um den Spieler im Notfall, also wenn es nicht mehr weiter geht, nicht ganz alleine zu lassen. Wenn man sich, wie ich, nur mäßig Dinge merken kann, empfiehlt es sich auf jeden Fall, sich Notizen zu machen, wo noch etwas ungelöst ist, etwa eine verschlossene Tür, um nicht permanent in die Hilfe lugen zu müssen.

Die Rätsel an sich bestehen also wieder aus viel Exploration, nur wenig Kommunikation. Natürlich müssen, wie bei fast jedem Adventure, Gegenstände angewandt werden. Dabei gibt es dieses Mal ein größeres Puzzle, bei dem mehrere Infos zusammengetragen und Teilaufgaben bewältigt werden, um es zu lösen. In „The Colour of Murder" müssen Schauplätze mit einer Kopf-Lampe  erkundet werden. Erfreulicherweise klappt die Orientierung in den dunklen Räumen besser als beim letzten Mal, wo man manchmal etwas hilflos in den düsteren Gängen herumgeschlichen ist.

Wie bei einigen Nancy Drew-Teilen, wo man oft losgeschickt wird, um ein paar Dinge zu finden, bekommen auch wir im aktuellen Carol Reed-Fall eine solche Aufgabe als Nebenbetätigung. Blümchen sind es, die im ganzen Spiel versteckt sind und die wir zusammentragen und abliefern müssen, damit es weiter geht. Daneben sind einige Maschinen- bzw. Schalterrätsel zu finden, Codes müssen verwandt werden und fertig ist ein unterhaltsamer Rätselcocktail.

 

Handlung

Kommen wir jetzt aber endlich zur Handlung. Wie schon im letzten Teil zieht es Carol mal wieder in ihren idyllischen Kleingarten irgendwo in Norrköping, wo sie eine Notiz ihres Gartennachbarn Willy findet. In dem Brief bittet er sie, ihn aufzusuchen, da er Hilfe benötigt. Als Nachbarin hat sie es ja nicht weit und so erfährt sie kurze Zeit später in einem Gespräch, dass sein Sohnemann Adrian, ein nach seinen Angaben an sich netter, aber etwas merkwürdiger junger Zeitgenosse, verschollen ist. Willy ist beunruhigt, da er auf der Hinweissuche in Adrians Wohnung, wo denn der Racker abgeblieben ist, einen Briefumschlag mit dem Namen eines Mannes fand, der eine Woche zuvor ermordet wurde. Das ist auch so ziemlich der einzige Hinweis, mit dem Carol sich auf die Suche begibt und natürlich – wer hätte es nicht vermutet – noch allerlei andere Geheimnisse ans Tageslicht befördert. Sehr schön gefällt mir diesmal übrigens auch der Schluss, der etwas ausführlicher als sonst geraten ist.

 

Norrköping ...

... gibt es übrigens wirklich. Ich habe anfangs spekuliert, ob Norrköping tatsächlich existiert und wenn ja in welcher Größe? Genauer gesagt hatte ich schon befürchtet, Nyquist könnten die Motive ausgehen, da meine anfängliche Vermutung war, es könne sich um eine kleinere Ortschaft handeln. Doch meine Befürchtungen sind vermutlich unbegründet. Denn tatsächlich ist die Stadt Hauptort der gleichnamigen Gemeinde und hat immerhin etwa 83.000 Einwohner.

 

Handling

Ganz schön stur, dass man es wiederum nicht für nötig befindet, einen Lautstärkenregler einzubauen. Und eigentlich müsste man verzweifeln ob soviel Dickköpfigkeit und auch genervt sein. Aber irgendwie bin ich es nicht. Vielleicht weil ich weiß, dass es diejenigen sind, die so beharrlich konventionelle Wege verweigern, solche einzigartigen Spiele erschaffen. Independent halt. Also wieder einmal großzügig drüber weggesehen und die Boxen per Hand oder Windows-Lautstärkenregler eingestellt. Zumal der Rest der sparsamen Handhabung ja auch wie immer völlig ausreicht und praktisch ist. Und es gibt in Teil Fünf erstmals auch eine Einführung, für solche Spieler, die noch nie mit einem Carol Reed-Spiel bzw. noch nie mit Adventures in Berührung gekommen sind. Denn eigentlich ist die Steuerung wieder ebenso einfach wie intuitiv:

Im Prinzip benötigen wir zum Spielen fast nur die linke Maustaste. Mit der rechten gelangen wir nur ins Menü, wo wir speichern, laden und beenden können. Das Speichern erfolgt automatisch durch Anklicken eines freien Speicherfeldes. Den Rest machen wir also mit Links. Als da wären laufen, Personen ansprechen, Dinge aufheben, diese aus dem Inventar nehmen und verwenden. Das Inventar geht auf, sobald wir den oberen Bildschirmrand berühren. Einen Zweck hat die rechte Taste aber auch: Mit dieser können wir uns im Inventar Gegenstände anschauen.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass The Colour of Murder wieder auf einer CD in einer DVD-Box ohne Handbuch erschienen ist und dass es wie gewohnt absolut problemlos und fehlerfrei auf meinem Rechner lief.

 

Fazit

Grundsätzlich ist The Colour of Murder ein typisches Carol-Reed-Adventure und doch sind wie immer leichte Veränderungen zu erkennen. Die Richtung, die man schon beim letzen Teil erkennen konnte, setzt man konsequent fort. Konkret bedeutet das viele gar nicht so einfache Rätsel, da es wieder viele Orte und dadurch Ansatzpunkte gibt. Die Rätsel an sich sind sehr abwechslungsreich und durch das erstmals verwandte Hinweissystem wird man gut aufgefangen.

Zum anderen erkennt man gelegentlich, neben der üblichen Bearbeitungsweise der Bilder durch Farbsteigerung, einige weitere kunstvolle Ansätze, wie etwa einen Trend zu noch mehr chaotisch anmutenden, wunderbar kunstvoll nachbearbeiteten Szenen. Dieser Ansatz gefällt mir hervorragend.

Im Großen und Ganzen ist „The Colour of Murder" ein Spiel, dass mir etwa ebenso gut gefallen hat wie sein Vorgänger. Also großartig. Und ich sattele noch einen Punkt drauf für das homogenere Gesamtbild. Ich bin schon gespannt, ob sich das noch steigern lässt und wohin Carols Ausflug als nächstes geht.

 

 Gesamtwertung  79%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Mindest-Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • DirectX 9.0C
  • Pentium4 mit 2.0 GHz oder 100% kompatibler Prozessor
  • 512 MB RAM2 GB freier Festplattenspeicher
  • DirectX kompatible Grafikkarte mit Pixel Shader 2 CD/DVD-Laufwerk

 

Gespielt unter:

  • Windows XP
  • AMD Athlon 64X2 Dual Processor 36000+, MMX, 3D Now (2CPUs)
  • 1,8 GB RAM
  • Nvidia Geforce 7050 PV / Nvidia Gforce nforce 630 a
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 150 GB

 

 

 

Eine Fensterfront
Eine Fensterfront ...

 

 

und ein alter Bekannter.
... und ein alter Bekannter.

 

 

Der Industriepark mit seinen Baustellen - eine interessante Örtlichkeit, die zum erforschen einlädt.
Der Industriepark mit seinen Baustellen - eine interessante Örtlichkeit, die zum erforschen einlädt.

 

 

Pssst, ich hätte da ein "S"
Pssst, ich hätte da ein "S"

 

 


Ein Waschbecken
Ein Waschbecken

 

 

 

Ähm, schluck, bin schon weg!
Ähm, schluck, bin schon weg!

 

 

 

Ein Uhrwerk
Ein Uhrwerk

 

 

 

Schwarzweiß-Ansicht des Industrieparks
Schwarzweiß-Ansicht des Industrieparks

 

 

 

Manchmal sieht es ein wenig aus wie bei uns, wenn ich gerade mal wieder mit dem Rad die Wege entlang des Rheins und der Ruhr langbrause.
Manchmal sieht es ein wenig aus wie bei uns, wenn ich gerade mal wieder mit dem Rad die Wege entlang des Rheins und der Ruhr langbrause.

 

 

Als optisches highlight bekommen wir zum Schluss diese tolle Wohnung präsentiert...
Als optisches highlight bekommen wir zum Schluss diese tolle Wohnung präsentiert...

 

 

 

…mit toller Tütenlampe. Nur wollen einige Gegenstände wie das Tuch und der CD-Ständer nicht recht dazu passen.
…mit toller Tütenlampe. Nur wollen einige Gegenstände wie das Tuch und der CD-Ständer nicht recht dazu passen.

 

 

 

 

Mehr Screenshots

 


 


 

 

 

 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 03. Dezember 2008

 

 

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