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Yoomurjak's Ring


Releasedatum englische Version: 04/2009

Entwickler: Private Moon Studios  
Publisher: Adventure Game Shop

Spielsprache: Ungarisch mit englischen Untertiteln und Bildtexten

Homepage

 

ESRB/PEGI: es hat keine Prüfung stattgefunden

 

 

Ein Review von  slydos   06. September 2009

 

Jonathan Hunt sitzt im Zug in die ungarische Kleinstadt Eger. Er rekapituliert seinen Abschiedsbrief an Freundin Allison in Gedanken. Nach dem Tod seiner Mutter, einer geborenen Ungarin, hat er beschlossen, seinem bisherigen Leben in New York den Rücken zu kehren, wo ihn nichts mehr hält. Es sind nicht nur die Auseinandersetzungen mit Allison, die mit ihrem Sicherheitsstreben seinem Abenteuerdrang im Wege stand oder die beruflichen Probleme im Verlag. Es sind auch die Erzählungen seiner Mutter von diesem fremden Ursprungsland, das sie so gern mit ihm zusammen besucht hätte, die ihn letztlich treiben, seine Wurzeln zu erkunden. Er hat keine lebenden Verwandten mehr in Budapest, woher sie stammte. Deshalb besann er sich auf ein Buch aus dem Nachlaß seines Großvaters: "Die Sterne von Eger".

Der Roman von Géza Gárdonyi beschreibt anrührig, genau recherchiert und voller historischer Details das Schicksal der Ungarn während der türkischen Okkupation im 16. Jahrhundert und ihres unglaublichen Sieges gegen ein zigfach überlegenes Osmanenheer aus schier hoffnungsloser Lage. In Eger konnte den Türken, die ganz Europa zu überrollen planten, erstmals ernsthaft Einhalt geboten werden.

In ebendiesem Buch, das heute Pflichtlektüre in ungarischen Schulen ist, fand Jonathan zwei 100 Jahre alte Briefe an seinen Großvater Samuel Hunt von einem gewissen Professor Pál Àbray aus Eger. Diese Briefe künden von einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen den beiden Professoren, auch wenn Jonathans Großvater sich nicht wirklich mit Àbrays verrückten Zeitreisetheorien auseinandersetzen wollte. Jonathan nimmt die Briefe zum Anlaß, sich Eger anzuschauen und dort, wenn schon nicht Verwandte, so doch wenigstens Nachkommen des Freundes seines Großvaters zu finden.

Hartnäckig und mit viel Gespür, aber auch der notwendigen Prise Glück, tut Jonathan in und um Eger Gesprächspartner auf, die ihm viel Wissenswertes über Àbray, sein Umfeld und sogar seinen Großvater vermitteln können. Bei seinen Recherchen taucht er immer tiefer in die Geschichte von Eger und lüftet schließlich Geheimnisse, die eigentlich hätten gut verborgen bleiben sollen ...

 

Eindrucksvolle Geschichte

Yoomurjak' Ring soll offiziell als Werbung für die Stadt Eger fungieren, was es auch ausgezeichnet tut, verknüpft aber all die sehenswerten Orte, wichtigen Persönlichkeiten, historischen Fakten und das aktuelle Leben auf wunderbar leichte Weise mit der Spielstory, daß man den Werbezweck nicht aufgesetzt empfindet und mit der Anteilnahme an den persönlichen Schicksalen und der sich im Verlauf immer spannender entwickelnden Handlung zuweilen vergißt.

Nicht zuletzt verdankt die Geschichte dies dem populären ungarischen Hauptdarsteller László Görög, dem sympathischen Held Jonathan, der niemals die Flinte ins Korn wirft, sondern zuversichtlich an seinen Erfolg glaubt und den vielen anderen in Ungarn bekannten und beliebten Schauspielern, die ihre Aufgaben professionell und glaubhaft erledigen. Spannend auch die knisternde Liebesgeschichte zwischen Jonathan und Juli (Julianna Sarosi), dargestellt von der ausdrucksvollen Adél Jordan. Ein überwiegend freundliches und augenzwinkerndes Völkchen von Eger wird uns da präsentiert, und selbst die Bösewichte, wie der vom realen Rapper Zolee Ganxsta verkörperte Schlägertyp, vermögen die positive Grundstimmung des Spiels nicht düster zu färben.

Die heiter-spannende Mystery-Geschichte zieht die Spieler auch in ihren Bann durch die so seltene filmisch-professionelle FMV-Präsentation mit realen Schauspielern und den weitläufig begehbaren Originalschauplätzen, verliert aber leider zwischendurch immer wieder stark an Fahrt, da die Spieler oft hilflos das immer größer werdende Areal absuchen müssen um den einen Trigger zu finden, der sie weiterbringt. Zu Beginn macht die Erkundung Egers erstmal großen Spaß. Später, etwa in der Mitte des 5 Kapitel umfassenden Spiels, wenn man viele der Locations schon mehrfach abgesucht hat bzw. Gesprächspartner einen nicht mehr weiterbringen, fühlt man sich oft 'Lost in Eger' mit jeder Menge Sightseeing-Leerlauf bis der Klickfinger anfängt weh zu tun. Hat man dieses Frustintermezzo standhaft überwunden, wird man belohnt mit einfallsreichen Rätseln und einer Handlungsbeschleunigung bis zum Ende.

Spieler der AGON-Serie vom gleichen Entwicklerstudio werden schon bemerkt haben, daß dessen Hauptdarsteller, Professor Samuel Hunt, geschickt in die Erzählung von Yoomurjak's Ring eingebunden wurde. Auch das Interface ähnelt dem der AGON-Serie mit seinem immer sichtbaren Menüwählrad in der rechten oberen Bildschirmecke.

 

Bedienung

Das rein mausgesteuerte 1st-Person-Adventure hält dort hinter der Abkürzung M eine Karte (Map) von Eger bereit, mit der man schnell zwischen den eingetragenen Orten in der Innenstadt und den Vororten wechseln kann. Viele Punkte innerhalb des Stadtzentrums sind auch zu Fuß erreichbar. Die Karte ist nur außerhalb von Gebäuden nutzbar.

Das I im Menürad öffnet und schließt das scrollbare Inventar am oberen Bildschirmrand. Mit Linksklick werden die meisten Inventarobjekte an den Mauszeiger geheftet, um sie mit anderen Inventarobjekten oder Hotspots zu verwenden. Dokumente hingegen werden damit lesbar geöffnet. Wie bereits im letzten AGON-Teil löst eine Mausberührung der in Schreibschrift gehaltenen ungarischen Originaltexte die Anzeige der englischen Übersetzung in kleinen Fensterbereichen aus.

Dies geschieht übrigens auch bei allen rätselrelevanten anderen Textanzeigen im Spiel, das ja sowohl grafisch als auch akustisch im ungarischen Original belassen und nur englisch untertitelt wurde. Hat man einen der oft schnellen Dialoge nicht ganz mitbekommen ist das kein Problem. Alle Gespräche und auch Telefonnachrichten sind in einem Notizbuch unter dem Buchstaben N im Menürad nach Kapiteln getrennt zu finden.

Der Buchstabe E des Rades steht für Online-Enzyklopädie, ist jedoch in der englischen Fassung nicht nutzbar. Der Menü-Button führt uns ins Spielmenü, wo man bis zu 8 Spielstände speichern und laden kann, bzw. zum Hauptmenü zurückfindet, womit man automatisch den aktuellen Spielstand speichert. Mit der Option 'Continue' kann so bei einem Neustart das Spiel sofort da aufgenommen werden, wo es verlassen wurde, wodurch die 8 Savegames ausreichend sind. Ich mußte einmal das eingefrorene Spiel abbrechen und ein Savegame wählen, da ich dort einen neueren Spielstand gespeichert hattte, als die Autosave-Funktion. Sowohl das Starten als auch das Verlassen des Spiels geht ausgesprochen fix, die Startanimationen können umgehend weggeklickt werden, wie übrigens auch die Ingame-Videos.

Der immer sichtbare Mauscursor hat die Form eines schwarzen, nach rechts gerichteten Tropfens, dessen Spitze nach links zeigt. Per Drag&Draw (Klicken und ziehen) kann man sich nicht nur in einem 360-Grad-Radius umschauen, sondern auch nach oben und unten schwenken. Sobald wir bei dieser Art von Umschauen die Möglichkeit haben, uns vorwärts oder zur Seite zu bewegen, wird der Tropfen weiß und zeigt mit seiner Spitze die Bewegungsrichtung an. Sobald wir darauf klicken, richtet sich die Kamera regelmäßig neu aus, zeigt also nicht ganz genau dieselbe Ansicht, nur vergrößert. Diese Neuausrichtung halte ich nicht für gelungen. Vom neuen Standpunkt aus ist nun wiederum eine 360-Grad-Rotation möglich. So kann mann sich vorstellen, daß es bei den etwa 600 solcher Panoramaszenen enorm viel zu untersuchen gibt.

Hotspots, die uns Objekte nach einem Linksklick in einer fixen Zoomansicht präsentieren, zeigt der Cursortropfen mit einem Pluszeichen an. Ist ein Objekt manipulierbar, bekommt der Tropfen einen Zahnradrand, können wir einen Gegenstand aufnehmen wird im Cursor ein Pfeil sichtbar. So erkennen wir z.B., daß der Fernseher im Hotelzimmer manipulierbar ist. Wenn wir die Fernbedienung gefunden und angeklickt haben, verschwindet sie im Inventar. Dort erklärt eine Mausberührung per Textbeschreibung: remote control. wenn wir sie mit Linksklick am Cursor befestigen und über den Fernseher bewegen, zeigt ein zarter gelber Leuchtrand vorab, daß wir sie dort erfolgreich anwenden können. Meist erhalten wir außer der Reaktion an sich auch noch einen mündlichen (ungarischen) und schriftlichen (englischen) Kommentar zu einer Aktion von Jonathan. Mit einem Rechtsklick legen wir übrigens die Fernbedienung wieder zurück.

Erscheinen im Tropfen drei Punkte, dann können wir mit einer Person im Multiple-Choice-Verfahren sprechen.

In den Settings kann man neben 3 Soundoptionen und 2 Grafikoptionen, Farbtiefe und Kantenglättung, noch die Untertitel abschalten - was für Leute, die Ungarisch nicht verstehen, höchstens 5 Minuten witzig ist. Ich habe dort die Rotationsgeschwindigkeit auf Normal belassen und hatte weder Probleme mit Schwindelgefühlen noch Orientierung. Was ich bei der Bewegungssteuerung bemängeln möchte, ist aber die vorhin bereits erwähnte Kamerakorrektur bei der stufenweisen Fortbewegung und die Anordnung der Szenenausgänge. Es nervt nämlich, während man z.B. vom Hotelzimmer die Lobby erreichen will, immer erst den Cursor hinunter auf die Treppenstufen zu fokussieren, bevor man vorwärts klicken kann. Es gibt einfach zuviele Orte, die man wiederholt auf diese Weise mit der Maus großräumig rührend bewältigen muß. Dies wirft einen Schatten auf die generell leichtgängige und intuitive Steuerung. Intuitiv hat die Bedienung von Yoomurjak's Ring auch dringend zu sein, da es weder Handbuch noch Installationshinweise oder eine integrierte Online-Hilfe für die englische Downloadversion gibt.

 

Original mit Untertiteln

Und da wären wir beim Ungarischen, das ja keine Weltsprache ist und zudem auch unter den europäischen Nachbarn fremdelt, da sie nicht zum indoeuropäischen Sprachstamm zählt. In den Dialogen und Kommentaren nehmen wir ihre besondere Melodie und Klang wahr und können vielleicht das eine oder andere Lehnwort deuten. In diesem "Original mit Untertiteln" bekommen die Spieler einerseits durch Tonlage, Betonung, Dehnung, Lautstärke der Originalsprache, andererseits durch Gestik und Mimik der Schauspieler, die sinngemäßen Feinheiten, die vielschichtigen Nachrichten hinter der Übersetzung intuitiv vermittelt; in fremden Worten, jedoch einfacher und zigfach exakter als das ein noch so intelligentes Motion-Capturing-Modell vermag. Zusammen mit den meist guten, manchmal ausgezeichneten Leistungen von Profischauspielern, ziehe ich solch authentisches, fremdsprachliches FMV gerne digital konstruierten und nachträglich synchronisierten Figuren vor.

Negativ an originalsprachlichen Produktionen bleibt jedoch die Notwendigkeit, seine Aufmerksamkeit ständig vom Handlungsbildschirm auf die übersetzenden Untertitel zu richten. Eine noch höhere Konzentration erfordert diese Methode, wenn die Untertitel nicht in der eigenen Muttersprache aufzunehmen sind, sich dem oft schnellen Rhythmus der Dialoge anpassen müssen und darüber hinaus eher wörtlich und manchmal fehlerhaft, also von Nichtmuttersprachlern übersetzt wurden.

Trotzdem hat auch diese wörtliche Übersetzung ihren Reiz, indem man kulturelle Eigenheiten erkennt, die eine glatte, rein sinngemäß an der Zielsprache orientierte Übersetzung, verwischt hätte. Ich will ein Beispiel geben: verwirrend könnte für Deutsche die Verwendung von vertraulichen verwandtschaftlichen Anredeformen wie Onkel oder Tante gegenüber fremden Gesprächspartnern sein, ähnlich des Einsatzes von diminutiven Anreden wie Väterchen oder Onkelchen im slawischen Sprachraum, die eher eine Aufhebung der Respektsbarriere darstellen. In unserem Spiel wird Jonathan manchmal von älteren Gegenübern gleich bei der Begrüßung aufgefordert, die Anrede "Tante" oder "Onkel" zu verwenden. Wenn man in diesem Zusammenhang bedenkt, daß in sozialistischer Zeit die Lehreranrede "Onkel" oder "Tante" von der ungarischen Obrigkeit verordnet wurde, so bekommen diese Dialoge eine andere Farbe. Statt niedlicher Vertraulichkeit wird hier im Gegenteil von vornherein ein ganz bestimmter Respektsabstand aufgebaut, so daß auf diese Art interpretiert, der Widerspruch zwischen Bildsituation und Text aufgehoben wird.

Jonathan hat als Sohn einer Auswandererfamilie die ungarische Sprache ausschließlich von seiner Mutter erlernt, was von den meisten Einheimischen auch direkt erkannt wird. Seine Ausdrucksweise wird von jungen Gesprächspartnern als außergewöhnlich höflich, sprich altmodisch, empfunden. Im Gegensatz zu den Spielern hat er aber kein Problem, sich die vielen komplizierten ungarischen Eigennamen zu merken, auf die es auch in den Rätseln ankommt. Wir finden alle wichtigen Eigennamen im Notizbuch, im Stadtplan und den Übersetzungen von Ingame-Texten wieder.

 

Rätsel

Die Rätsel von Yoomurjak's Ring gründen auf dem Wunsch, den Spielern möglichst viel von Egers Geschichte, Kultur und touristischem Wert zu vermitteln. Wein, Weib und Nationaldichter Gárdonyi dienen als Vehikel dieser Umsetzung: um das Dreieck des Weingutes Istenes, Julis Touristenbüro und Gárdonyis Wohnhaus, das heute als Museum dient, zieht Jonathan seine ersten Ermittlerkreise. Es geht zunächst darum, Orte zu finden, die nach weiteren Anhaltspunkten bezüglich Prof. Ábray abgesucht werden können. Wichtig ist, daß Jonathan sie entweder zu Fuß erläuft, von seinen Gesprächspartnern in den Stadtplan eintragen läßt oder von ihnen schriftlich Kenntnis erhält. Je größer das Netz der bekannten Orte jedoch auf der Karte wird, desto langwieriger gestaltet sich manchmal die Suche nach dem letzten Infotrigger, der die Handlung weitertreibt.

Die Größe des - auch gleich zu Beginn - begehbaren Terrains versteckt den linearen Rätselaufbau der ersten Hälfte des Spiels im munteren Erkunden der Stadt. Die vielen üppigen Details und die 360-Grad-Rundumsicht tun das ihrige, um die Spieler lange zu beschäftigen. Dabei ist die Zahl der Hotspots im Vergleich zum Spielareal klein. Man kann sich nicht in Sicherheit wiegen, daß einmal abgegraste Schauplätze nicht später wieder neue Hotspots, Zugangsmöglichkeiten oder Gesprächspartner beherbergen. Andersherum finden wir beim anfänglichen Umherstreifen Hotspots, die als Basis für Rätsel in viel späteren Kapiteln dienen. Andere Hotspots vertiefen nur unsere Informationen. Es liegt an den Spielern, sich dieser Stellen im Laufe des Spiels zu erinnern bzw. ihren potentiellen Rätselwert bei der ersten Begegnung einzuschätzen.

Neben dem Suchen-und-Finden von Dingen oder Informationen, einigen wenigen Inventarrätseln und der generellen Orientierung sowohl in Einzelszenen als auch der Stadt Eger, kommen im Verlauf des Spiels immer komplexere Rätseltypen zum Zug. Es geht um Dechiffrierung von Codes und verschachtelte Logikrätsel, die in nichtlinearer Abfolge gelöst werden können. Ein Labyrinthrätsel verwendet grafische Hilfsmittel und ärgert durch die Tatsache, daß man sofort an den Ausgangspunkt zurückkatapultiert wird und neu beginnen muß, wenn man in eine Sackgasse des Irrgartens gelaufen ist, wodurch die Rechte-Hand-Regel ausgehebelt wird und man sich entweder per Trial&Error mühsam vorarbeitet oder den korrekten Weg mittels grafisch-logischer Lösung ableitet. Eine witzige Sound-Code-Aufgabe löst sich als Hommage an diese Art von Rätseln nach einigen Versuchen automatisch auf.

Yoomurjak's Ring läßt den Spielern relativ viel Freiheit der Erkundung, was auch sinnvoll ist, wenn man es als Touristikwerbung betrachtet. Die Spannnung der Handlung kann dabei leider im Mittelteil nicht aufrecht erhalten werden. Es lohnt sich aber, wegen der einfallsreichen, komplexen Schlußrätsel und der Auflösung der Story in jedem Fall, die möglichen Durststrecken durchzustehen und sich die Zeit von 30+ Spielstunden zu nehmen. Wer das Runenrätsel aus Black Dahlia oder Le Serpent Rouge aus Gabriel Knight 3 anziehend fand, wird auch hier gerne wieder tüfteln. Dabei kommt es vor, daß man nach der korrekten Lösung eines komplexen Teilrätsels keinen direkten Hinweis über die Richtigkeit erhält, also zunächst mal munter bis zum St. Nimmerleinstag weitermacht, bis man sich entscheidet, das Ergebnis an anderer Stelle anzuwenden um sich dort eine Erfolgs- oder Mißerfolgsmedlung abzuholen.

Trainiert werden - neben den englischen Sprachkenntnissen - in erster Linie Orientierungsfähigkeit, Gedächtnis und die selbstständige logische Verarbeitung von breitgefächerten Informationen. Es gibt kein Game-Over und keine Geschicklichkeitseinlagen. Rasante Szenen spielen sich ausschließlich in den Videosequenzen ab.

Wegen des Schwierigkeitsgrades und der Anforderungen an Verständnis der Zusammenhänge und des Inhaltes richtet sich das Spiel an ein erwachsenes Publikum, würde sich aber prinzipiell, wegen des geringfügigen Grades an Sex, Gewalt und Angst auch für Kinder ab etwa 10 Jahren eignen.

 

Grafik&Sound

Die Filmsequenzen von Yoomurjak's Ring haben eine Gesamtdauer von etwa 90 Minuten, also etwa Spielfilmlänge. Im Making-of-Abspann wird man gewahr, daß so einige aufwendige Spielszenen der Schere zum Opfer gefallen sein müssen, wahrscheinlich damit das Spiel auf einer DVD Platz findet. Intro und Schlußsequenz sowie einige lange Ingame-Videos markieren jeweils wichtige Momente. Dazwischen können wir Jonathan Hunt meist beim Betreten von Gebäuden, beim Durchstöbern von Dokumenten usw. beobachten. Auch die Dialoge werden kinomäßig präsentiert und fügen sich reibungslos in die sonst in 1st-Person-Perspektive zu absolvierende Spielhandlung ein.

Die fotografischen Szenen der interaktiven Geschichte sind ein wenig schärfer als die Filmszenen, jedenfalls solange man sich nicht bewegt, denn das kann man stufenlos in einer Art Kugelradius um den aktuellen Standpunkt herum tun. Aber auch hier wurden geschickt Animationen eingefügt, damit die Fotoumwelt realistischer erscheint: viele der Statisten bewegen sich kurz, fahren sich z.B. durch die Haare oder schlagen die Beine übereinander, so daß Straßen und öffentliche Räume tatsächlich belebt wirken ganz im Gegenteil zu Fotoadventures wie der Carol-Reed-Reihe oder Anacapri, aus denen unfreiwillige Statisten sogar herausretuschiert wurden. Nicht so in Yoomurjak's Ring. Viele Statisten, möglicherweise sogar in größerer Entfernung filmfremde Passanten oder Bewohner bevölkern die Szenen. So wundert es nicht, daß auch der Umgebungssound auf Straßenverkehr, Menschengeplapper, Lachen, Gläserklirren etc. im Hintergrund eingestellt ist. Manchmal hat man dadurch den Drang, sich umzuschauen, da man meint, da laufe oder fahre es tatsächlich hinter einem. Die Soundeffekte, wie Türöffnen oder Fußtritte, die dem Untergrundmaterial angepaßt sind, erweitern die Soundpalette, ergänzt durch einen dezenten Soundtrack, der ab und zu stark an die kontemplativen Carol-Reed-Adventures erinnerte.

Im Stadtzentrum von Eger kann man sich relativ frei zu Fuß bewegen, auch innerhalb von vielen Gebäuden, wie der Basilika oder den Museen. Auf Privatgelände und in Wohngebäuden bleibt der Einblick auf das Nötigste begrenzt, jedoch kann man auch in kleineren Locations immer die Rundumsicht nutzen und einige wenige Schritte gehen. Die markanten Touristenorte, die Cafes, Kneipen und Geschäfte, bei denen die Namen bekannter westlicher Ketten keineswegs wegretuschiert wurden, Parks und Plätze, Fried- und Hinterhöfe - die kleine Stadt Eger stellt sich freundlich und weltoffen dar. Yoomurjak's Ring erinnert stark an das FMV-Adventure Byzantine, das uns die Stadt Istanbul näher bringt. Es ist auch in der Lage, in Darstellungsqualität und Handling mit dem Vorläufer gleichzuziehen, ja es zu übertrumpfen. Es muß sich jedoch letztlich geschlagen geben angesichts Byzantines noch spannenderen Plots und dessen Rätselvielfalt und -Menge, gleich den mutigen Männern und Frauen aus Eger, die den Türken zwar eine historisch wichtige, aber keine finale Niederlage zufügen konnten.

 

Wissenswertes

Die titelgebende Gestalt, Yoomurjak, ist neben den realen historischen, genauestens recherchierten Figuren in Géza Gárdonyis Roman "Die Sterne von Eger" ein äußest detailliert beschriebener, wenn auch fiktiver Charakter. Obwohl der einäugige, halb-ungarische Türke im Buch den negativen Helden verkörpert, bewundern die Ungarn seine raffinierte Schlitzohrigkeit.

In einer Kinoverfilmung aus den 60er Jahren stellte der Schauspieler György Bárdy den populären Charakter dar. Derselbe György Bárdy stand 85jährig für die Spielfassung von Private Moon erneut vor der Kamera. Private Moon erstellte das Spiel als Gewinner eines Wettbewerbs, den die Stadt Eger ausgeschrieben hatte, um den Tourismus anzukurbeln.

 

Fazit

Ich freue mich, daß mit Yoomurjak's Ring endlich wieder ein Abenteuerspiel von guter Qualität verfügbar ist, das reale Schauspieler in Filmszenen einsetzt. Ein solches Adventure außerhalb seiner Heimat nur als riesigen Download ohne Handbuch und grafisches Drumherum anzubieten, kann nur eine Notlösung sein. Ich stelle mir vor, daß eine sorgsame deutsche Lokalisation auf DVD, ein schönes Handbuch sowie ein beigefügter Stadtplan von Eger inklusive Reiseführer seinem touristischen Werbezweck wesentlich dienlicher wäre als eine englisch-internationale Fassung, die maximal Breitband-Internet-Freunde ihre Zurückhaltung überwinden läßt. Denn das ist nicht gerade die primäre Zielgruppe, die nach Eger gelockt werden soll. Warten wir's also ab, ob im Sinne potentieller Ungarn-Touristen und Adventurefans noch irgendwas in Bewegung kommen wird. In seiner jetzigen Form erhält Yoomurjak's Ring von mir eine Bewertung, die bei ansprechender Lokalisation und Produktgestaltung noch nach oben ausbaufähig wäre:

 

 Meine Gesamtbewertung: 77%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista
  • Pentium IV
  • 512 MB RAM
  • 256 MB Grafikkarte
  • 5 GB freier Festplattenspeicher
  • 16 Bit Stereo-Soundkarte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • Pentium IV 3,6 GHz
  • 2 GB RAM
  • 48x DVD-ROM
  • NVidia GeForce 7600GS 256 MB
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 06. September 2009

 

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Hauptmenü
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Den Roman "Die Sterne von Eger" hat Jonathan immer dabei
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Jonathan Hunt
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Für Antikfreunde scheint Eger eine Fundgrube
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Juli arbeitet im Touristen-Informationscenter
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Die Inventarzeile öffnet man mit einem Linksklick auf den Buchstaben "I" im Menürad oben rechts
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Die wunderschöne Bibliothek wird Jonathan noch öfter besuchen
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Der Weinkeller von Istenes
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Der Hotelportier paßt gut auf
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Für Juli hat sich Jonathan extra ein Handy besorgt
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Wahrscheinlich hat T-Mobile keinen Cent für die Ingame-Werbung bezahlt... wahrscheinlich hat T-Mobile keinen Cent für die Ingame-Werbung bezahlt

 

Das Haus des Schriftstellers Gárdonyi ist heute ein Museum
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Der Plan des Museums - ein Rätsel
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Eins der wenigen architektonischen Überbleibsel der Türken ist dieses Minarett
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Von hier hat Jonathan den Überblick
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Waren Sie schoon einmal in einem türkischen Bad? ;-)
Waren Sie schon einmal in einem türkischen Bad? ;-)

Die Szenen mit dem Schauspieler Árpád Besenczi alias Historiker Làszló Czifra sind wirklich sehenswert!

 

Diese Turbane stammen von türkischen Gräbern
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Was mag wohl in der alten Kiste stecken?
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Der Sarkophag des Helden István Dobo
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Auf diese Art werden alle wichtigen Texte übersetzt
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Ein im Hotelflur 'unauffällig' drapiertes Buch von Salman Rushdie soll wohl andeuten, daß man sich auch heute noch als Trutzburg gegen islamische Übergriffe versteht
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Wir basteln uns ein Wappen
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Jonathan bekommt was auf die Nase
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Mihaly Jambor wird gespielt von György Bárdy
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György Bárdy

 

 

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